Ge(h)spräche 2026 in Bodenwöhr
Autor: Randolf Alesch, Artikel erschienen am 15. Juli 2026 im „Oberpfalzboten“
„Ostbayern handelt“– gegen Starkregen, Dürre und Klimawandel
Knapp 30 interessierte Bürger konnten Sabrina Hildebrand von der Initiative „Ostbayern handelt“ – kurz OHA! genannt – und Tereza Müller vom Bezirk Oberpfalz zu den sogenannten Ge(h)sprächen im Sportheim des SV Erzhäuser willkommen heißen. Die OHA!-Initiative setzt sich seit über fünf Jahren für nachhaltiges Wirtschaften in unserer Region ein. Als Netzwerk aus Unternehmen, Institutionen und Partner bringt sie die betroffenen Akteure zusammen, um konkrete Ansätze zu entwickeln, Erfahrungen zu teilen und Nachhaltigkeit im Unternehmensalltag voranzubringen. Die Veranstaltung am 1. Juli wurde gemeinsam mit dem Bezirk Oberpfalz durchgeführt. Das Motto lautete Wasser, Boden und Klima – wie kann man Landschaften widerstandsfähiger gegen Starkregen, Trockenheit und den Folgen des Klimawandels gestalten.
Hitzerekorde und Schwandorf unter Wasser
Das Thema passte wie die Faust aufs Auge zu den Wetterverhältnissen Ende Juni mit neuen Hitzerekorden von weit über 40 Grad in vielen Regionen und sintflutartigen Regenfällen, z.B. am Tag zuvor in Schwandorf. Besonders begrüßte Eduard B. Wagner, Vorsitzender der OHA!-Initiative, Bodenwöhrs Bürgermeister Georg Hoffmann, Franz Rösl, dem Vorsitzenden der „IG Gesunder Boden“ und den tschechischen Klima-Experten Jakub Rataj. Weiter meinte Wagner, dass solche Veranstaltungen für ihn ganz besondere Momente darstellen, da man etwas über unser Leben lernen dürfe. Auch ein Team des Senders Oberpfalz TV begleitete die Veranstaltung. Anschließend ging Franz Rösl in einem überzeugenden Impulsvortrag sofort auf die Bedeutung des Bodens für das Wasser ein. Man brauche lebendige, gesunde und humusreiche Böden, um gesundes, lebendiges Wasser zu bekommen. Hat man einen gesunden Boden, so Rösl, erhalte man ein angenehmeres Klima, lebendigeres Wasser und mehr Biodiversität, vermeide Erosion, Hochwasser und tue was für die Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen.
Gesunder Boden verhindert Schäden und Klimawandel
Die Folgen von Starkregenereignissen und Dürren könnten durch resistente, gesunde und humusreiche Böden abgemildert werden. Der Boden sei eine biologische Abwasserreinigungsanlage, so Rösel weiter. Leider werde in Bayern nicht mehr ausreichend genug Grundwasser produziert, zudem seien zahlreiche Moore und Feuchtwiesen der Landwirtschaft zum Opfer gefallen. Ebenso sei die Kühlleistung des Waldes zurückgegangen. Sonnenschein auf Asphalt sorgt für Hitze im Gegensatz zu Sonne auf Wasser oder Pflanze, was Kühlung produziere.
Anschließend ging es unter Führung von Bürgermeister Hoffmann zunächst zum direkt am Sportheim vorbeifließenden Grasenbach, der heuer noch im Rahmen eines ökologischen Verfahrens der Flurneuordnung in sein ursprüngliches Bachbett zurückverlegt und renaturiert werden soll. Dies soll u.a. auch dazu beitragen, den Schadstoffeintrag in den Hammersee und damit die Bildung von Blaualgen zu begrenzen, so Hoffmann. Ebenso soll durch zwei Rückhaltebecken die Hochwassergefahr eingedämmt werden.
Renaturierung Grasenbach und Pingartener Graben
Unterwegs sammelt Franz Rösl nicht nur achtlos weggeworfene Zigarettenstummel auf, sondern nahm mit seinem Spaten immer wieder Bodenproben und erläutere die Qualität der Erde. Danach ging es zum bereits im Jahr 2023 renaturierten „Pingartener Graben“, der die sogenannten „Mahdwiesen“ westlich von Erzhäuser durchquert. Ende November 2023 wurde der um eine fast 15 m breite Schutzzone erweiterte Gewässerverlauf durch Mitglieder des örtlichen Gartenbauvereins aus Erzhäuser mit Hartriegel, Weiden, Erlen, Schlehen und Hochstauden bepflanzt. Über die Weihnachtsfeiertage 2023 sorgte dann jedoch ein Starkregenereignis nicht nur dafür, dass der Hammersee beinahe übergelaufen wäre, so Hoffmann, sondern dass auch der Pingartener Graben im steileren nördlichen Teil ausgeschwemmt wurde. Deshalb wurden dort im vergangenen Jahr sogenannte Soll-Rampen, kaskadenförmige Stufen und Wasserbausteine zur Reduzierung der Fließgeschwindigkeit eingebaut. Simultan übersetzt durch einen Dolmetscher erläuterte zum Abschluss der Exkursion noch der tschechische Experte für Klimaanpassung, Ingenieur Jakub Rataj von der Regionalverwaltung Pilsen, die Situation in seinem Heimatland.
Maßnahmen in der Region Pilsen
Dort würden sich der Klimawandel und eine unsachgemäße Landwirtschaft zunehmend negativ auswirken. Sturzfluten, Trockenperioden, mangelnde Wasserspeicherfähigkeit des Bodens, fehlende Artenvielfalt, Erosion und schlechte Wasserqualität seien die Folge. Seit 2021 arbeitet die Region Pilsen am Projekt „Gesunde Landschaft“, das sich auf die Wasserspeicherfähigkeit der Landschaft konzentriert. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Erstellung umfassender landschaftsräumlicher Studien, die in konkreten Anpassungsmaßnahmen für ausgewählte Prioritätsgebiete (Einzugsgebiete von Gewässern vierter Ordnung) münden. Für Kommunen und Akteure in den Prioritätsgebieten wird Unterstützung bei der Projektvorbereitung, den Finanzierungsmöglichkeiten, der Antragstellung über die Bewilligung von Fördermitteln bis hin zur eigentlichen Umsetzung konkreter Maßnahmen in der Landschaft gewährt.
Nach der Exkursion ging es zurück ins Sportheim des SV Erzhäuser, wo man sich in ungezwungener Atmosphäre noch persönlich austauschen konnte.